Notfallmanager im Industriepark Höchst

Die Notfallmanager im Industriepark Höchst sind ein Teil der integrierten Alarm- und Gefahrenabwehrorganisation im Industriepark Höchst. Ihre Aufgabe ist es, die Situation bei Einsätzen hinsichtlich einer möglichen Auswirkung auf die Umgebung außerhalb des Industrieparks, die Bevölkerung und die Umwelt einzuschätzen. Im Bedarfsfall veranlassen sie die Auslösung von Sirenen in den betroffenen Bereichen. Zudem sorgen sie für die Aus- und Weiterbildung und das Training zahlreicher Unternehmen am Standort hinsichtlich Notfallsituationen.
Die Notfallmanager sind an 365 Tage des Jahres rund um die Uhr in einer der Feuerwachen im Industriepark Höchst stationiert und rücken bei Alarmierung gemeinsam mit weiteren Einsatzkräften aus bzw. gehen auch Hinweisen aus der Bevölkerung nach.

Geschichte

Die Organisation eines hauptamtlichen Notfallmanagements wurde zu Zeiten der damaligen Hoechst AG entwickelt und im Jahr 1996 etabliert. Sie ist damit eine der ersten privat geschaffenen Organisationen dieses Typs in Deutschland. Rund um die Uhr verfügbare Notfallmanager wurden und werden für die sofortige Beurteilung von Ereignissen eingesetzt. Sie veranlassen die Sofortinformation der zuständigen Behörden, die Warnung der Anwohner und koordinieren (moderieren) gegebenenfalls einen Einsatzstab im Lagezentrum des Industrieparks. Nach der Umstrukturierung der ehemaligen Hoechst AG zum Ende der 1990er Jahre in einen Industriepark übernahm der Industrieparkbetreiber Infraserv Höchst die Organisation der Alarm- und Gefahrenabwehreinheiten für das ehemalige Stammwerk in Frankfurt-Höchst. Seither wurden von großen Unternehmen am Standort immer wieder erfahrene und entsprechend ausgebildete Mitarbeiter in das Notfallmanagement entsandt, die im Regelfall nach mehrjähriger Tätigkeit wieder in ihr ursprüngliches Unternehmen zurückkehren. So steht der Alarm- und Gefahrenabwehrorganisation ein breites Wissen über Anlagen und Verfahren zur Verfügung. In der umgekehrten Richtung fließt Know-how über die Abläufe der Notfallorganisation zurück in die Unternehmen. Während Ihrer Dienstzeit sind die Notfallmanager von Verpflichtungen gegenüber den entsendenden Unternehmen entbunden und unterstehen dem Industrieparkbetreiber. Durch entsprechende Regelungen sind sie zur Neutralität verpflichtet und ihre Unabhängigkeit bei Einsatzlagen sichergestellt.

Fachberater

Dem Einsatzleiter der Werkfeuerwehr steht der Notfallmanager bei Bedarf als Fachberater zur Seite. Er bringt in der Regel ein naturwissenschaftliches oder ingenieurtechnisches Studium bzw. eine Ausbildung zum gehobenen Dienst der Feuerwehr als Basiswissen mit. Zudem verfügt er über eine langjährige Berufserfahrung im Industriepark. Spezifisches, einsatzrelevantes Wissen wird in einem mehrmonatigen Training erlernt.

Aufgaben

Die Dienste des Notfallmanagers sind in drei Aufgabenbereiche gegliedert, die in einem Schichtsystem rollierend wahrgenommen werden:

  • Alarmdienste
    In dieser Dienstphase ist er für 24 Stunden im Industriepark anwesend. Bei einer Alarmierung rückt er sofort mit den Einsatzkräften der Werkfeuerwehr aus. In Abhängigkeit des gemeldeten Ereignisses erkundet er die Situation inner- oder außerhalb der Industrieparkgrenzen und stuft es ein. Sollte eine Gefährdung für das Umfeld außerhalb des Industrieparks nicht sicher auszuschließen sein, veranlasst er die sofortige Warnung der Bevölkerung durch Auslösen der Sirenen in den angrenzenden Stadtteilen. Zusätzlich sendet er eine Sofortinformation an die zuständigen Behörden und versorgt die Polizei mit Informationen für eine Rundfunkdurchsage.
    Für Fälle, die eine Auswirkung ohne Gefährdung auf das Umfeld haben, oder für Ereignisse, die von Anwohnern dem Anschein nach für gefährlich gehalten werden können (sogenannte Anscheinsgefahren), werden ebenfalls die Behörden eingeschaltet. Die aktive Kommunikation in das Umfeld erfolgt über geeignete Wege, beispielsweise durch Medieninformationen. Dazu wird nach festgelegten Kriterien ein Einsatzstab in das Lagezentrum einberufen.
  • Bereitschaftsdienst
    Während dieser Dienstphase ist der Notfallmanager für die Moderation des Einsatzstabes verantwortlich und unterstützt in dieser Funktion den Leiter des Einsatzstabes. Er stellt sicher, dass die erste Sitzung zu jeder Tageszeit spätestens 30 Minuten nach Alarmierung zum Stab beginnt. Dieser setzt sich aus verschiedenen Fachfunktionen (Werkfeuerwehr, Arbeitsmedizinischer Dienst, Sicherheitsingenieur, Umweltschutz, Kommunikationsabteilung und andere) sowie Vertretern der Unternehmen, bei denen das Ereignis eingetreten ist, zusammen. Nach definierten Kriterien kommen gegebenenfalls Kräfte der öffentlichen Gefahrenabwehr (Polizei, Feuerwehr) hinzu.
    Dieses Gremium unterstützt und entlastet die Technische Einsatzleitung vor Ort bei Aufgaben, die andernfalls dort hätten erledigt werden müssen. Zudem wird aus dem Lagezentrum der Weiterbetrieb des Industrieparks unter den besonderen Bedingungen von Großeinsätzen koordiniert.
    Der Einsatzstab steht im permanenten Kontakt mit den zuständigen Behörden. Er versorgt im Falle von größeren Ereignissen die Öffentlichkeit mit Medieninformationen, bei Bedarf auch mit Hinweisen zu Schutzmaßnahmen.
  • Sonstige Dienste
    Außerhalb der beiden oben genannten Dienstphasen organisieren die Notfallmanager Schulungen und Übungen für Betriebe und Unternehmen inner- und außerhalb des Industrieparks. Hinzu kommt das kontinuierliche Training von Fachfunktionen sowie von Unternehmensvertretern für den Einsatzstab. Im Industriepark Höchst sind dafür insgesamt über 250 Personen in verschiedenen Bereitschaftsdiensten organisiert.
    Alle internen und externen Ereignisse werden im Nachgang analysiert. Als lernende Organisation werden die Abläufe anhand dieser Erfahrungen kontinuierlich weiterentwickelt und Empfehlungen für das zukünftige Vorgehen erarbeitet.
    Darüber hinaus beschäftigen die Notfallmanager sich in Zusammenarbeit mit der Gefahrenabwehrorganisation mit möglichen Situationen, die den ordnungsgemäßen Betrieb im Industriepark stören könnten und ist so unter anderem auch auf interne oder externe Bedrohungen vorbereitet.
    Die Organisation der Notfallmanager ist zusammen mit der Unternehmenssicherheit (Security) im Bereich der Gefahrenabwehr-Prävention der Infraserv Höchst angesiedelt.

Ausrüstung

Der Notfallmanager im Alarmdienst verfügt über ein eigenes Einsatzfahrzeug. Damit kann er im Ereignisfall schnell die Situation an der Werksgrenze und im Umfeld erkunden.

Die Notfallmanager sind unter anderem für die ständige Einsatzbereitschaft des Lagezentrums sowie eines alternativen Lagezentrums als Rückfallebene verantwortlich. Dadurch wird sichergestellt, dass ein Einsatzstab zu jeder Zeit zusammenkommen und sofort über die erforderlichen Arbeitsmittel (Moderations- und Darstellungseinrichtungen, technische Kommunikationsmittel, Recherchemöglichkeiten, Dokumentation) verfügen kann.

Literatur

  • M. Schnauber & G. Horn (2008), Krisenstabsarbeit in Chemieunternehmen. In Burschapper C., Starke S. (Hrsg.), Führung & Teamarbeit in kritischen Situationen (S. 295 ff), Verlag für Polizeiwissenschaft, ISBN 978-3-8667-6034-9
  • M. Schnauber (2014) , Resilienz durch Notfallmanagement. In G. Horn, A. Van Vegten, U. Bargstedt (Hrsg.), Resilienz in Organisationen stärken, Verlag für Polizeiwissenschaft, in Druck

 
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