05.04.2017, Pressemeldungen

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Mit der „Schnupper-App“ den Gerüchen auf der Spur

Infraserv Höchst informiert über das Geruchs-Messprogramm – Rundgang für interessierte Bürger am 8. Mai

Mohamed Amhamdi wohnt nicht in Sindlingen, doch die Straßenzüge in unmittelbarer Nachbarschaft des Industrieparks Höchst kennt er ganz genau. Zwei, drei Mal pro Monat ist er im Lachgraben, der Gustavsallee und in der Küferstraße unterwegs, manchmal vormittags, dann wieder abends oder auch mitten in der Nacht. Sein Job: Er schnuppert. Der 26-Jährige ist einer der Prüfer, die für die Olfasense GmbH im Auftrag von Infraserv Höchst Geruchsmessungen im Umfeld des Industrieparks durchführen. Seit 2007 gibt es das Messprogramm, das objektive Daten über die Geruchsbelastung in Sindlingen und Kelsterbach liefert.

Es wirkt ein bisschen seltsam, wie Mohamed Amhamdi an der Straßenecke Pfingstbornstraße/Am Lachgraben verharrt, starr auf sein Handy blickt und immer wieder tief durchatmet. Zehn Minuten lang steht der Mechatronik-Student, der eine leuchtend-orangefarbene Warnweste trägt, beinahe regungslos an einem Fleck. Im Zehn-Sekunden-Rhythmus dokumentiert er über eine spezielle, von Olfasense für die eigenen Mitarbeiter entwickelte App, ob er einen Geruch wahrnimmt und falls ja, welche Art von Geruch. „Man kann das sehr gut unterscheiden, ob es nach Kläranlage oder Chemie riecht“, sagt der Olfasense-Prüfer, der seit Anfang 2016 für das in Kiel ansässige Institut rund um den Industriepark Höchst unterwegs ist. Und wie oft riecht es unangenehm? „Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal ist gar nichts, manchmal gleich an mehreren Messpunkten, und dann wieder nur an einer Straßenecke“, sagt Amhamdi. „Es kann auch mal ein paar Minuten riechen und dann ist wieder nichts mehr.“ Die Experten sprechen von „schwallartigen Gerüchen“, wenn die geruchsbeladene Luft aufgrund besonderer meteorologischer Bedingungen nach unten gedrückt wird und kurzzeitig in einzelnen Straßen wahrnehmbar ist.

Wenn der 26-Jährige eine der insgesamt vier definierten Routen abläuft, muss er sich an jedem einzelnen Messpunkt mit dem Handy anhand eines GPS-Signals registrieren und dabei auch die Wetterdaten angeben, die später von Olfasense noch einmal verifiziert und abgeglichen werden. Vor allem die Windrichtung ist natürlich wichtig – kommt der Wind aus westlicher Richtung, können in Sindlingen keine Gerüche aus dem Industriepark ankommen.

Mehr Messungen als notwendig

Mohamed Amhamdi arbeitet für die Olfasense GmbH. Das 1996 gegründete Unternehmen, das 20 feste Mitarbeiter und bundesweit ca. 65 Prüfer beschäftigt, hat sich neben dem Bau und Vertrieb von Messgeräten für Geruch auf olfaktorische Untersuchungen spezialisiert. Das Kieler Unternehmen ist bundesweit im Auftrag von Kommunen, Behörden und Anlagenbetreibern im Einsatz. Grundlage der Untersuchungen sind etablierte, europaweit geltende Verfahren. Demnach kann die Geruchshäufigkeit im Jahr auf der Grundlage von 104 Messungen ermittelt werden. „Zur Steigerung der Messgenauigkeit führen wir in Sindlingen und Kelsterbach im Auftrag von Infraserv Höchst an 365 Tagen im Jahr Messungen durch, also viel häufiger als es notwendig wäre“ erläutert Bettina Mannebeck, Geschäftsführerin der Olfasense GmbH.

Strenge Regeln für die „Normal-Nasen“

Die Olfasense-Prüfer sind ausnahmslos nebenberuflich tätig. Viele studieren wie Mohamed Amhamdi, der im Gallus wohnt und an der TU Darmstadt studiert. Bevor er für Olfasense „schnuppern“ durfte, musste er sich einem Test unterziehen: es galt an drei verschiedenen Tagen, einen standardisierten Stoff in unterschiedlichen Konzentrationen zu „erriechen“. „Wir suchen keine Supernasen, also keine besonders geruchsempfindlichen Personen, sondern Menschen mit einem normal ausgeprägten Geruchssinn“, so Mannebeck. Nur so könne der subjektive Eindruck von Geruchswahrnehmungen objektiviert werde. Zwei Mal pro Jahr müssen die Prüfer zum Test, damit sichergestellt werden kann, dass sich der Geruchssinn nicht verändert hat. Zudem gelten strenge Regeln für Mohamed Amhamdi und seine Kollegen. Kaffee, Zigaretten, stark gewürzte Speisen und duftende Kosmetika sind 30 Minuten vor Beginn der Messungen verboten - das könnte die Ergebnisse verfälschen.


Infraserv Höchst investiert Millionen in Geruchsminderungsmaßnahmen

Jeden Tag sind Mohamed Amhamdi und seine Kollegen in Sindlingen und Kelsterbach unterwegs, bei Wind und Wetter, Tag und Nacht – Infraserv Höchst lässt sich das Messprogramm einiges kosten. Einen mittleren fünfstelligen Betrag investiert die Betreibergesellschaft des Industrieparks in die Messungen. Warum? „Zweifellos gehen von den Entsorgungseinrichtungen im Westen des Standortes Emissionen aus, die in Sindlingen zu Geruchsbelästigungen führen“, sagt Infraserv-Geschäftsführer Joachim Kreysing. „Wir sind seit Jahren dabei, diese Emissionen zu reduzieren, und haben mehrere Millionen Euro in die verschiedenen Maßnahmen investiert.“ So wurden in den vergangenen Jahren die Klärschlammsilos eingehaust, eine neue Abluftreinigungsanlage gebaut und die Abluftführung der Luft aus den Hallen der Klärschlammverbrennungsanlage geändert. „Das mit den Behörden abgestimmte Messprogramm soll Aufschluss darüber geben, ob die Maßnahmen erfolgreich sind“, sagt Dr. Kreysing.

Werte sind deutlich zurückgegangen

Dr. Guido Schmitt, Leiter Umweltschutz von Infraserv Höchst, wertet die Olfasense-Ergebnisse gemeinsam mit Dr. Anke Reining, Leiterin des Geruchsmessprogramms, aus. „Im Vergleich zum Beginn des Messprogramms sind die Werte deutlich zurückgegangen“, erklärt Dr. Schmitt. Anfangs lagen die Jahresmittelwerte in einem Bereich von knapp 15 Prozent, das heißt bei etwa jeder siebten Messung wurden Gerüche registriert. Inzwischen pendeln sich die Werte, die unter www.ihr-nachbar.de eingesehen werden können, bei drei bis fünf Prozent ein. Das ist eine deutliche Verbesserung, für die betroffenen Anwohner aber noch kein Idealzustand. „Gerade bei Schönwetterlagen, wenn sich die Anwohner im Freien aufhalten und die Fenster offen haben, weht der Wind häufig aus östlicher Richtung. Wenn es dann zu Geruchsemissionen kommt, ist das für die Betroffenen ärgerlich“, weiß Dr. Anke Reining.

Beschwerden werden überprüft

Dann gehen mitunter auch Beschwerden am Bürgertelefon des Industrieparks ein, die allesamt registriert und abgearbeitet werden. In der Regel fahren Mitarbeiter von Infraserv Höchst in die Nachbarschaft des Industrieparks und überprüfen die Situation, gleichzeitig wird bei den Entsorgungsanlagen nach möglichen Geruchsquellen geforscht. „Jeder Hinweis ist wertvoll. Wir versuchen in jedem Fall, die Ursache von Geruchsemissionen ausfindig zu machen“, versichert Dr. Schmitt. Wobei Infraserv Höchst immer deutlich macht: Einen vollkommen geruchsfreien Betrieb der Entsorgungsanlagen kann es nicht geben! Das betont auch Dr. Joachim Kreysing: „Wo Abwässer oder Klärschlamm gehandhabt werden, sind Gerüche nie hundertprozentig auszuschließen. Aber wir werden weiterhin alles in unserer Macht stehende tun, um die Belastung für die Anwohner zu reduzieren.“

Geruchs-Rundgang für interessierte Bürger

Am Montag, 8. Mai, können sich interessierte Bürger einem Geruchsrundgang anschließen. Treffpunkt ist um 17 Uhr an Tor West des Industrieparks Höchst. Von dort aus geht es zunächst auf das Gelände, wo Experten von Infraserv Höchst und der Firma Olfasense das Messprogramm erläutern. Anschließend können sich die Teilnehmer von einem Olfasense-Prüfer zeigen lassen, wie die Messungen ablaufen. Und natürlich stehen die Infraserv-Vertreter den interessierten Bürgern auch Rede und Antwort. Anmeldungen sind bis zum 5. Mai per E-Mail an kommunikation@infraserv.com möglich.

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Mohamed Amhamdi ist einer der Prüfer, der in Sindlingen und Kelsterbach Geruchsmessungen vornimmt und die Ergebnisse dokumentiert. © Infraserv GmbH & Co. Höchst KG


 
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