Radweg um den Industriepark: Station 2

Leunabrücke – Höchster Altstadt

Radweg um: Station 2

© Ulrich Schepp foto-grafik-media

Einen Einblick in den östlichen Teil des Industrieparks Höchst bietet Main abwärts der erhöhte Standpunkt auf der Leunabrücke.

Im Süden des über vier Quadratkilometer großen Areals sind vorwiegend Forschung und Logistik angesiedelt. Vor den flacheren langgestreckten Labor- und Technikumsgebäuden des „Zukunftsviertels“ hebt sich das neungeschossige Gebäude des früheren Vorstandssitzes der Hoechst AG ab. Im Südosten des Industrieparks wird Forschung auf den Gebieten Pharma, Pflanzenschutz, Farben und Kunststoffe betrieben.

Der rund 140 Jahre alte Nordteil des Industrieparks umfasst die Bereiche Produktion, Verwaltung und Infrastruktur. 1863 begann die Geschichte dieses Standortes: Der Chemiker Eugen Lucius und der Kaufmann Wilhelm Meister gründeten mit fünf Arbeitern einen Produktionsbetrieb für Teerfarben. Der heutige moderne Industriepark vereint eine facettenreiche Palette unterschiedlicher Produkte und Dienstleistungen aus Chemie, Pharma und Biotechnologie. Rund 90 Unternehmen bilden ein leistungsfähiges Netzwerk, das die ganze Wertschöpfungskette repräsentiert. Täglich arbeiten hier rund 22.000 Menschen.

Das Bild des Mainkais prägen die charakteristischen backsteinernen Lagerbauten sowie das Gebäude der Wassergewinnung aus dem Jahr 1928 direkt unter der Leunabrücke. Die wichtigste Verbindungsader zwischen beiden Werksteilen stellt die mittlere Werksbrücke dar. Das weitgeschwungene Viadukt über spannt den Main seit 1959. Seit dem Sommer 2009 wird es weiter westlich durch eine sogenannte „Medienbrücke“ ergänzt: eine Stahltrasse, die den Südteil des Industrieparks vom Norden aus über zusätzliche Leitungen mit Medien wie Dampf und Strom versorgt.

In Gegenrichtung bietet sich das Panorama der Höchster Altstadt. Es wird eingerahmt vom Rokokopalast der Familie Bolongaro über der Niddamündung und von dem auf mittelalterlichen Fundamenten gründenden Schloss. Bis zu seiner Zerstörung durch schwedische Truppen im dreißigjährigen Krieg 1635 diente die befestigte Anlage der Sicherung des Mainzer Territoriums sowie der Erhebung eines Mainzolls, seit dem Umbau unter Kurfürst Wolfgang von Dalberg aber auch als repräsentatives Residenzschloss im Stil der Renaissance. Heute befindet sich das Schloss im Besitz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die es als Museum und für Veranstaltungen nutzt.

Innerhalb der früheren Stadtmauern befindet sich ein geschlossenes Ensemble ebenso sachkundig wie liebevoll restaurierter Stein- und Fachwerkhäuser.

Aus karolingischer Zeit stammt der älteste in dieser Vollständigkeit erhaltene Sakralbau nördlich der Alpen: die Justinuskirche. Sie wurde zwischen 830 und 850 erbaut und vom Mainzer Erzbischof Rabanus Maurus geweiht. Unverwechselbar ihr äußeres Gesicht: eine ursprünglich dreischiffige Basilika, der die Antoniter-Chorherren in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts einen spätgotischen Hochchor anfügten. Das Interieur besticht durch seine exzellente künstlerisch-ästhetische Qualität: die karolingischen Säulen mit ihren sauber gearbeiteten korinthischen Kapitellen, das spätgotische Altarbild aus der Schongauer-Schule, die ausdrucksstarke Sitzfigur des heiligen Antonius sowie Altar und Orgel aus der Barockzeit.

 
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