Nach oben

Die 1856 von William Henry Perkin erfundenen Teerfarben führten zur Gründung der Farbwerke in Höchst.

1863

Mit Vertrag vom 31. Januar 1863 gründen der Chemiker Eugen Nikolaus Lucius aus Erfurt, und die Kaufleute Carl Friedrich Wilhelm Meister aus Hamburg und Ludwig August Müller, der Onkel der Ehefrauen seiner beiden Geschäftspartner, in Höchst am Main eine kleine Fabrik zur Herstellung der 1856 in England erfundenen Teerfarbstoffe auf Steinkohlebasis. Die Belegschaft besteht aus einem Chemiker, einem Kontoristen und fünf Arbeitern.

Stadtplan von Höchst am Main. Links die neue Anilinfabrik

1864

Am 4. Januar wird von der herzoglich-nassauischen Regierung die Baukonzession für ein erstes Forschungslaboratorium erteilt.

Die Firmengründer Meister, Lucius und Brüning

1865

Der von Anfang an als Chemiker und Technischer Direktor im Unternehmen tätige Adolf Brüning übernimmt die Geschäftsanteile des aus dem Unternehmen ausscheidenden Ludwig August Müller. Er wurde seither meist als der dritte Gründer bezeichnet.

Jakob Becker 1866, Die alte Fabrik

1866

August de Ridder, der Leiter der Verkaufsabteilung, macht angesichts des steigenden Umsatzes und der sich rasch ausweitenden Produktpalette den Vorschlag, die Fabrik zu vergrößern. Eine erste Maßnahme ist der Bau einer weiteren Fabrikhalle mit „russischem“ Schornstein.

Labor der Gründungszeit

1867

Im Zuge einer Neufassung des Gesellschaftsvertrages ändern die „Farbwerke“ ihren Firmennamen in „Meister Lucius & Brüning“. Die Fabrik verfügt über eine Küche und einen Speiseraum für die Mitarbeiter.

Die alte Fabrik im Endausbau

1868

Die neuen und in ihrer Qualität erheblich verbesserten Methylfarbstoffe lösen die bisher ausgebotene Palette der Jodfarbstoffe vollständig ab.

Ansicht von Höchst am Main mit der alten Fabrik

1869

Im Höchster Unterfeld, etwa einen Kilometer westlich der alten Fabrik, wird unweit des heutigen Hauptzugangs am Tor Ost, beiderseits der Mainzer Chaussee, auf der grünen Wiese ein neues Fabrikgelände erschlossen. Es ist die Keimzelle des heutigen Industrieparks Höchst.

Das Uhrtürmchen in der neuen Fabrik an der Mainzer Chaussee

1870

Nach der Anilinfabrik wird die Alizarinfabrik mit einem eigenen Laborgebäude, dem sog. „Glockentürmchen“ an der Stelle des späteren „Behrensbaus“, errichtet. Für den ältesten, seit 1863 produzierten Farbstoff wird die neue Fuchsinfabrik errichtet.

Die Reichsgründung und Kaiser Wilhelm I. auf einem Farbstoffetikett der Farbwerke

1871

Neben den neuen Farbenbetrieben werden die ersten Mechanischen Werkstätten errichtet. Allein hier werden 40 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Arsenfreie Farbstoffe aus Höchst

1872

Die seit 1870 in Planung und Bau befindliche Anlage zur arsenfreien Fuchsinherstellung wird mit der Auflage konzessioniert, einen Fabrikarzt anzustellen, der dem Königlichen Amt in Höchst regelmäßig über die Anzahl der Arbeiter und ihre Krankheiten berichtet.

Die alte und die neue Fabrik nach der Werksverlegung

1873

Mit dem „Comptoir“, heute der westliche Teil des Kasinos nahe dem Tor Ost, wird das älteste noch bestehende Gebäude im Industriepark Höchst errichtet. Die alte Fabrik unterhalb des Höchster Schlosses wird abgerissen.

Dr. Wilhelm Grandhomme, der erste Werksarzt

1874

Mit Dr. Wilhelm Grandhomme wird ein erster Fabrikarzt angestellt. Er baut eine werksärztliche Abteilung auf und wird in den kommenden Jahren durch seine Forschungen zu einem Pionier der Arbeitsmedizin in Deutschland.

Die ersten Arbeiterwohnungen der Farbwerke in der Siedlung Seeacker

1875

Nach dem Beschluss zum Bau von Arbeiterwohnungen im Vorjahr werden acht Häuser mit je vier Wohnungen im „Seeacker“ nahe dem Tor Ost bezogen. Heute befinden sich hier die Ausbildungsstätten der Provadis und die Provadis-Hochschule.

Die ersten Beamtenwohnhäuser der Farbwerke im Höchster Westend

1876

In der neuen Fabrik sind 450 Mitarbeiter beschäftigt. Auch für die ansteigende Zahl der „Werksbeamten“, leitenden Angestellten und Chemiker werden nun im „Westend“ von Höchst Wohnhäuser erbaut.

Das erste Warenzeichen, der nassauische Löwe

1877

Das schon länger verwendete Firmenzeichen, der nassauische Löwe, wird offiziell eingeführt und bis 1939 in 74 Ländern in aller Welt als Warenzeichen eingetragen.

Die Bier- und Speisehalle in der Fabrik

1878

In der Nord- und der Südfabrik werden zwei neue „Menagen“ erbaut und in die Selbstverwaltung der Arbeiter überführt. Am Derbenewsky Quai in Moskau wird die erste ausländische Produktionsstätte des Unternehmens begründet.

Die Salzbahn im Jahr 1952

1879

Die Fabrik erhält einen ersten Gleisanschluss an die Hessische Ludwigsbahn. Zugleich nimmt eine werksinterne Schmalspurbahn, das „Salzbähnchen“, ihren Betrieb auf. Dieser wird erst 1958 eingestellt.

Die Farbwerke Hoechst vorm. Meister Lucius & Brüning in Höchst a.M.

1880

Aus der Offenen Handelsgesellschaft wird die Aktiengesellschaft „Farbwerke Höchst am Main, vormals Meister Lucius & Brüning“.

Die neue Säurefabrik von 1880-1881

1881

Nach Fertigstellung des 1880 begonnenen Baues der Säurefabrik wird das Unternehmen auch bei den Vorprodukten weitgehend von Zulieferern unabhängig.

Die mit Unterstützung der Farbwerke erbaute ev. Kirche in Höchst

1882

Die 1879 gegründete Kaiser-Wilhelm-und-Augusta-Stiftung nimmt ihre Geschäftstätigkeit auf. Ihr Zweck ist die Zahlung einer Invalidenrente an arbeitsunfähig gewordene Arbeiter sowie deren Witwen und Waisen.

Antipyrin, das erste hochwirksame Medikament der Farbwerke

1883

Mit dem fiebersenkenden „Kairin“ beginnt in Höchst die Produktion von Arzneimitteln. Das im gleichen Jahr von Ludwig Knorr entwickelte „Antipyrin“ wird auf diesem Gebiet zum ersten Blockbuster der Farbwerke und zur Stamm-Mutter zahlreicher noch folgender Analgetika.

Tod des Mitgründers Adolf von Brüning

1884

Tod des Gesellschafters und „Mitgründers“ Adolf (von) Brüning im Alter von 47 Jahren. Er hatte den technischen Aufbau des Unternehmens maßgeblich vorangetrieben und sich zusammen mit seinen Partnern um die soziale Sicherung der Belegschaft, aber auch um den Bau der evangelischen Kirche in Höchst bemüht.

Mainansicht des Werkes Höchst - Carl Zeyher 1884

1885

Fallende Farbstoffpreise bewirken trotz steigenden Absatzes der Produkte einen starken Gewinnrückgang von rund 50 Prozent.

Die Statuten der Beamten-Pensionskasse

1886

Gründung der seit längerem geplanten Beamten-Pensionskasse, der Vorläuferin der noch heute bestehenden Pensionskasse der Mitarbeiter der Hoechst-Gruppe VVaG.

August Laubenheimer wird Vorstandsmitglied in Höchst

1887

August Laubenheimer tritt in den Vorstand ein. Er pflegt vor allem die Kontakte zu Universitäten und externen Forschungsinstituten, wodurch die Kontakte zu den späteren Nobelpreisträgern Robert Koch, Emil von Behring und Paul Ehrlich geknüpft werden.

Die Aktien von Höchst kommen an die Börse

1888

Im Mai werden die Aktien der Farbwerke an der Frankfurter Börse eingeführt. Im Juli feiert das Unternehmen sein 25-jähriges Bestehen. Die Belegschaft zählt im Jubiläumsjahr 1.860 Arbeiter, 50 Aufseher, 9 technische Beamte, 57 Chemiker und 86 Kaufleute.

Das Zentrallabor, gen. Löwenapotheke, im Jahr 1889

1889

Das erste „Forschungszentrum“, das Hauptlabor, wird gebaut. An seiner Stelle befindet sich heute das Gebäude D 725. Das Hauptlabor beheimatet auch die wissenschaftliche Bibliothek.

Ansicht der Farbwerke in Höchst

1890

Eine neue Fabrikordnung mit zahlreichen Bestimmungen zur Arbeitssicherheit tritt in Kraft. Bisher gab es, z.B. für das Tragen von Schutzbrillen, nur einzelne Hinweisschilder.

Das Fuhrwesen und die Feuerwache

1891

Auf dem Areal des heutigen Empfangsgebäudes C 820 wird ein zentrales Gebäude für das Fuhrwesen erbaut. Es wird 1920 zur Aufnahme der Feuerwache beträchtlich erweitert und 1960/61 abgerissen.

Das moderne Rundbad

1892

Für die Arbeiter wird eine hochmoderne Zentralbadeanstalt, das „Rundbad“, mit 140 Wannenbädern, Duschen, Massageräumen und einem römisch-irischen Bad errichtet. Die Badezeit wird auf die Arbeitszeit angerechnet.

Der erste Bauabschnitt des Hauptkontors

1893

Im November wird das neue Hauptkontor eingeweiht. Es löst das alte, zu klein gewordene und nach einem Brand beschädigte „Comptoir“ von 1873 ab. Es wurde später mehrfach aufgestockt und beherbergte bis 1997 den Vorstand des Unternehmens.

Das Heilserum für die Antitoxine von Emil von Behring

1894

Der Betrieb zur Herstellung von Heilserum nimmt die Produktion auf. Bis in die dreißiger Jahre entstehen hier Seren und Impfstoffe, darunter das von Emil von Behring entwickelte Serum gegen Diphtherie. Drei Jahre später folgt das Antitoxin gegen Wundstarrkrampf. Die Gasbeleuchtung der Fabrikhöfe wird auf Elektrizität umgestellt.

Tod des Gründers C.F.W. Meister

1895

Tod des Firmengründers Carl Friedrich Wilhelm Meister. Er hatte seit der Gründung 1863 die Verantwortung für den Aufbau einer effizienten Verkaufsorganisation übernommen, wobei ihm seine weltweiten Erfahrungen, vor allem im englischen Kolonialreich, zugute kamen.

Die alte Festhalle, später das Computer-Lernzentrum

1896

In der Nordfabrik wird nahe beim Tor Ost die große Festhalle, die Vorläuferin der 1963 erbauten Jahrhunderthalle Hoechst, errichtet. Sie vereinigt einen Festsaal mit Speiseräumen für Werksbeamte und Arbeiter und enthält auch eine Kegelbahn für die Mitarbeiter.

Das von Friedrich Stolz entwickelte Pyramidon

1897

Das „Pyramidon“, das von Friedrich Stolz entwickelte Antineuralgetikum und Antipyretikum, ein Nachfolger des Antipyrin wird ausgeboten. Es behauptet sich als eines der großen Arzneimittel von Hoechst durch fast das ganze 20. Jahrhundert am Markt.

Die neue Versuchsfärberei

1898

Die neue Versuchsfärberei, heute D 607, wird in Betrieb genommen. Dabei werden moderne und rationelle Materialien wie Eisen und Klinker mit traditionellen Bauformen der Renaissance in repräsentativer Form kombiniert.

Die Farbwerke sind der Abstand größte Industriebetrieb in Höchst am Main

1899

Ende der 1890er Jahre wird die Energieversorgung der einzelnen Betriebe von Dampfkraft auf Elektromotoren umgestellt. In diesem Jahr gibt es im Werk bereits 24 Elektromotoren mit 74 PS.

Auf der Weltausstellung in Paris steht das preisgekrönte Arbeiter-Wohnhaus der Farbwerke

1900

Auf der Weltausstellung in Paris erhalten die Farbwerke für das dort im Original ausgestellte Wohnhaus aus dem „Arbeiterheim“ in Unterliederbach den „Grand Prix“, außerdem zwei Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille.

Geheimrat Emil von Behring erhält den 1. Nobelpreis für Medizin

1901

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beginnen die Farbwerke in großem Stil Gelände auf der Südseite des Maines gegenüber der Fabrik für spätere Werkserweiterungen aufzukaufen. Emil von Behring erhält den 1. Nobelpreis für Medizin.

Der synthetische Indigo entwickelt sich zu einem Verkaufsschlager der Farbwerke

1902

Im Verwaltungsbericht der Farbwerke wird erstmals die Einstellung von weiblichen Arbeitskräften erwähnt, zunächst Arbeiterinnen in der Pharma-Verpackung, wenige Jahre später auch Kontoristinnen im Hauptkontor.

Tod von Eugen Lucius, dem eigentliche Gründer der Farbwerke in Höchst am Main

1903

Tod von Eugen Nikolaus Lucius, des letzten der Gründer im Alter von 69 Jahren. Auf ihn ging eigentlich die Idee zur Gründung der Farbenfabrik 1863 zurück, nachdem er 1857 in Manchester die im Jahr zuvor von William Henry Perkin entdeckten Teerfarbstoffe auf Steinkohlebasis kennengelernt hatte.

Gustav von Brüning, einer der dynamischsten Unternehmer im Deutschen Kaiserreich

1904

Der erste Versuch eines Zusammenschlusses der deutschen chemischen Großindustrie scheitert am Widerstand des Generaldirektors der Farbwerke, Gustav von Brüning, der auf die Konkurrenz der Unternehmen setzt. Es bildet sich der „Dreierverband“ mit Hoechst, der Cassella in Frankfurt und Kalle in Wiesbaden. Im Gegenzug schließen die BASF, Bayer und AGFA den „Dreibund“.

Robert Koch erhält den Nobel-Preis

1905

Robert Koch erhält den Nobelpreis für Medizin für seine Verdienste um die Tuberkulose-Bekämpfung. Er hatte 1882 das Tuberkelbakterium entdeckt und anschließend das „Tuberkulin“, das in Höchst hergestellt wurde, entwickelt.

Anzeige für das von Friedrich Stolz entwickelte Suprarenin

1906

Friedrich Stolz entwickelt in Höchst das erste synthetische Hormon, das Nebennierenhormon Adrenalin. Es wird als „Suprareninum Syntheticum“ am Markt ausgeboten.

Hedwig Schäfer war eine der ersten Kontoristinnen

1907

Generaldirektor Gustav von Brüning veranlasst den Beginn der Forschung an Diabetes. Nach langer Pionierarbeit stellen sich Erfolge allerdings erst nach 1923 ein. Hedwig Rieger nimmt als eine der ersten Kontoristinnen die Arbeit im „Haupt-Comptoir“ auf.

Paul Ehrlich erhält den Nobel-Preis für Medizin

1908

Paul Ehrlich, der seit den 1880er Jahren mit den Farbwerken in Höchst zusammenarbeitet, erhält für seine Wert-Bestimmung der Serum-Präparate den Nobelpreis für Medizin. Die Farbwerke gründen mit der Fabrik in Ellesmere Port bei Liverpool ihre erste Produktionsstätte im englischen Weltreich.

Seit Beginn des 20. Jhdts. sind Frauen in allen Bereichen der Farbwerke tätig

1909

Mit Margarete Scheidler tritt erstmals eine Chemikerin bei den Farbwerken in Höchst ein. Damit sind Frauen in allen Gruppierungen der Belegschaft vertreten.

Mit dem 606. Versuch findet Paul Ehrlich das Salvarsan gegen die Syphilis

1910

Paul Ehrlich stellt nach langjähriger Forschungsarbeit das Medikament „Salvarsan“ vor, eine Arsenverbindung, die sich als hochwirksam zur Behandlung der Syphilis erweist. Dieses Präparat und sein Nachfolger, das besser verträgliche „Neosalvarsan“, werden von den Farbwerken produziert.

Die Farbwerkskapelle

1911

Ab 15. Mai wird in den „Menagen“, den „Bier- und Speisehallen“, der Bierausschank eingestellt. Es werden nur noch alkoholfreie Getränke ausgegeben. Dem Generaldirektor Gustav von Brüning war insbesondere der übermäßige Alkoholgenuss der 1886 gegründeten Werkskapelle negativ aufgefallen.

Die Feuerwehr im Einsatz auf ihrem Bahnzug

1912

Nach der ersten Erwähnung einer Werkfeuerwehr schon 1875 wird in diesem Jahr eine zentrale Berufsfeuerwehr für das Werk Höchst eingerichtet. Sie verfügte schon seit 1880 über eine Dampfspritze und später über einen eigenen Einsatzzug auf der „Salzbahn“.

Die Farbwerke Höchst im 50-sten Jahr ihres Bestehens

1913

Die Farbwerke in Höchst feiern bei einem Umsatz von 100 Mio. Mark und mit 8.893 Mitarbeitern ihr 50-jähriges Bestehen. Zusammen mit der deutschen chemischen Industrie beherrschen die Farbwerke den Weltmarkt für Farbstoffe zu mehr als 90 Prozent, den Arzneimittelmarkt zu rund drei Vierteln. Das Jubiläum wird durch den frühen Tod des Generaldirektors Gustav von Brüning, einem der fähigsten Unternehmer seiner Zeit, überschattet.

Die meisten Produkte der Farbwerke gingen in den Export

1914

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und dem Beginn der englischen Seeblockade brechen der exportorientierten chemischen Industrie in Deutschland die ausländischen Märkte weg, was zu erheblichen Umsatzeinbußen führt. Die Tatsache, dass gleichzeitig viele Mitarbeiter zum Wehrdienst einberufen werden, bedeutet angesichts neuer Anforderungen der Reichsregierung nur eine geringe Entlastung.

Granate für das in den Farbwerken hergestellte Kampfstoff Gelbkreuz

1915

In den Höchster Farbwerken müssen auf Weisung des Kriegsministeriums in den Kriegsjahren Betriebs- und Produktionsanlagen für künstlichen Nebel und Kampfstoffe errichtet werden.

Die Interessengemeinschaft der deutschen Teerfarbenfabriken, die Kleine I.G., wird gegründet

1916

Unter dem Druck der Kriegswirtschaft, dem Verlust der Exportmärkte und der Beschlagnahme der ausländischen Werke schließen sich die seit 1904 bestehenden Gruppierungen der deutschen Chemischen Industrie, der Dreierverband unter Führung von Hoechst und der Dreibund zur „kleinen IG“, zu einer Interessengemeinschaft in Form eines Kartells zusammen.

Paul Duden, Chemiker und Vorstand der Farbwerke, Sohn des Sprachforschers

1917

Paul Duden entwickelt in Höchst wesentliche Grundlagen der Acetylenchemie weiter. Die von ihm eingeführten neuen Verfahren erlauben die Herstellung von Acetaldehyd, Aceton und Essigsäure auf der Grundlage der katalytischen Oxidation von Acetylen.

Die Besetzung der Farbwerke durch französische Truppen

1918

Nach dem Waffenstillstand am 9. November und dem Ausbruch der Revolution in Deutschland werden am 14. Dezember Stadt und Werk Höchst von französischen Truppen besetzt. Der Verkehr zwischen Höchst und dem unbesetzten Gebiet wird zunächst vollständig unterbunden. Während des Krieges sind von der Belegschaft insgesamt 546 Mitarbeiter gefallen.

Die Unterzeichnung des Versailler Vertrages. Gemälde von W. Orpen 1921

1919

Durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages werden den deutschen Chemieunternehmen große Reparationsleistungen an Farbstoffen und Arzneimitteln auferlegt, die Hoechst nur durch seine guten Lagerbestände erfüllen kann. Gegen die Maßnahmen der Besatzungsmacht kommt es zeitweise zum Generalstreik der gesamten Belegschaft.

Aufruf zum Streik

1920

Die Versorgungslage, vor allem mit dem wichtigen Basisprodukt Kohle, ist desolat und führt zu erheblichen Produktionsausfällen. Streiks der Belegschaft wegen Lohnstreitigkeiten und der drohenden Abschaffung des Acht-Stundentages führen zu schweren Unruhen, bei denen ein Arbeiter ums Leben kommt.

Die Salpetersäuretürme, gebaut für Sprengstoffe, nun genutzt für Düngemittel

1921

Mit dem notwendigen Umbau der für die Kriegsproduktion errichteten Betriebe zur Produktion von Salpetersäure eröffnet sich nach mehrjährigen Forschungsarbeiten die Möglichkeit, diese Anlagen für die neue Düngemittelproduktion nutzbar zu machen.

Mit dem Novalgin beginnt eine lange Erfolgsgeschichte dieses Medikaments

1922

Als Weiterentwicklung der früheren Antipyretika Antipyrin und Pyramidon werden Novalgin und Gardan in den Handel gebracht. Sie werden im Pharmabereich für Jahrzehnte zu wichtigen Umsatzträgern. Bei den Farbstoffen stellt Hoechst das gemeinsam mit Bayer und der BASF entwickelte Indanthrensortiment vor, das eine hohe Beständigkeit gegen die Einflüsse von Sonne, Witterung und Wasser aufweist.

Die Bauchspeicheldrüsen für die Insulinproduktion kamen auch vom Metzger

1923

In Anerkennung seiner langjährigen Forschungen auf dem Diabetes-Gebiet erhält Hoechst eine kostenlose Lizenz der Universität Toronto zu Herstellung von Human-Insulin nach dem in Kanada entwickelten Verfahren von Banting und Best. In der Insulinforschung ist Hoechst und heute das Nachfolgeunternehmen Sanofi in der Welt führend.

Peter Behrens errichtet das Technische Verwaltungsgebäude in Höchst

1924

Das seit 1920 von dem Designer und Architekten Peter Behrens errichtete Technische Verwaltungsgebäude gegen über dem alten Hauptkontor ist weitgehend fertig gestellt. Es zählt zu den bedeutendsten Industriebauten im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts weltweit. Turm und Brücke dieses Bauwerks werden zum Wahrzeichen der Farbwerke Hoechst und von 1947 bis 1997 zum weltbekannten Logo des Unternehmens.

Der

1925

Am 2. Dezember 1925 schließen sich die Farbwerke Hoechst, die BASF, Bayer, AGFA, die Chemische Fabrik Griesheim und Weiller-ter Meer mit weiteren Unternehmen zur I.G. Farbenindustrie AG, dem seinerzeit größten Chemieunternehmen der Welt, zusammen. Die Zentrale des Unternehmens wird Frankfurt am Main, wo von 1928-1930 das Verwaltungsgebäude von Hans Poelzig (heute Universität Frankfurt), errichtet wird.

Das Werk Höchst der I.G. Farbenindustrie AG

1926

Die Zeit für Hoechst in der I.G. Farbenindustrie beginnt mit einer weitreichenden Umorganisation, wozu Betriebsstilllegungen, aber auch die Übernahme von Produktionen aus anderen Werken des neuen Unternehmens gehören. Dies führt bei den Mitarbeitern zu Unruhe und Unsicherheit angesichts des weiteren Schicksals.

Ab diesem Jahr gibt es Filme über Hoechst

1927

Erstmals wird ein Film mit dem Titel „Die Höchster Farbwerke“ gedreht und ab 26. November in den öffentlichen Kinos gezeigt. Der Belegschaft wird der Film vom 5.-7. Dezember im großen Hörsaal des Technischen Verwaltungsgebäudes von Peter Behrens vorgeführt.

Kunststoffe. Von bescheidenen Anfängen zu Hochleistungswerkstoffen

1928

Das Zeitalter der Kunststoffe beginnt in Höchst mit dem „Mowilith“ (Polyvinylacetat). Fritz Klatte hatte in Griesheim schon 1913 hierfür ein Patent erhalten, die Arbeiten wurden zunächst jedoch nicht weiterverfolgt. Mit diesem Produkt nahm die Aceton-Essigsäure-Abteilung in Höchst die Forschungen an den modernen Kunststoffen wieder auf.

An der New Yorker Börse beginnt die Weltwirtschaftskrise. BArch, Bild 102-13817 / Georg Pahl

1929

Mit dem „Schwarzen Freitag“ beginnt am 24. Oktober an der Börse in New York die Weltwirtschaftskrise, die auch für das Werk Höchst der I.G. Farbenindustrie AG erhebliche Produktionseinschränkungen zur Folge hat. Zwischen 1929 und 1932 reduziert sich die Belegschaft von 11.576 auf 7.249 Mitarbeiter.

Das I.G. Farben-Hochhaus in Frankfurt, Entwurf von Hans Poelzig

1930

In Frankfurt am Main wird am Grüneburgpark das von Hans Poelzig erbaute I.G.-Hochhaus, die Zentrale des Konzerns, eingeweiht. Es dient nach dem Zweiten Weltkrieg der amerikanischen Besatzungsmacht als Hauptquartier und beherbergt heute wesentliche Teile der Frankfurter Universität.

Belegschaftsfoto der Pharma Expedition in der I.G.-Zeit

1931

Im Zeichen der Weltwirtschaftskrise werden für alle Mitarbeiter die Löhne herabgesetzt, für Arbeiter um maximal fünf Prozent, für Akademiker um fünf bis zehn Prozent. Zugleich wird eine Notgemeinschaft der I.G. Farbenindustrie AG, Werk Höchst, mit dem Ziel gegründet, Notleidende mit Kohle und Lebensmitteln zu unterstützen.

Büro der Personalverwaltung. Zu ihr gehörte auch die Redaktion der Werkszeitschrift

1932

Erstmals wird die I.G.-Werkszeitung auch in Höchst herausgegeben. Für die „Betriebsgemeinschaft Mittelrhein“, die von Höchst geführt wird, erscheint sie unter dem Titel „Der Maingau“. Im Zweiten Weltkrieg wird sie wegen Papiermangels eingestellt.

Die

1933

Nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler und die NSDAP ändert sich der betriebliche Alltag zunächst nur wenig, obgleich die Werksleitung offene Sympathien für die neuen Machthaber zeigt. Die I.G. Farbenindustrie AG gilt bei den Nationalsozialisten als „Judenkonzern“, ist jedoch andererseits wegen der synthetischen Produkte Buna (Kautschuk) und Leunabenzin für die Kriegsvorbereitungen Adolf Hitlers von größtem Interesse.

Das Bayer-Kreuz wird zum Pharma-Warenzeichen der I.G.

1934

Im Werk Höchst wird ein hochmodernes Kraftwerk für den Aufbau einer zentralen Energieversorgung in Betrieb genommen. In der I.G. Farbenindustrie AG wird das Bayer-Kreuz zum einzigen Warenzeichen für alle Pharmazeutika eingeführt. Nur einzelne Arzneimittel tragen noch den Aufdruck: „Hergestellt in unserem Werk Hoechst“.

Der Pharmaforscher Dr. Robert Schnitzer wurde als Jude verfolgt und vertrieben

1935

Nach Erlass der Nürnberger Rassengesetze werden auch im Werk Höchst die als jüdisch geltenden Mitarbeiter bis 1938 von ihren Arbeitsplätzen entlassen, ausgeplündert und vertrieben. Manche schaffen die Flucht ins Ausland und nur Wenige, wie der spätere Treuhänder Michael Erlenbach, können, geschützt durch Kollegen, das Ende des Nazi-Terrors in Höchst erleben.

Besuch des Gauleiters Jakob Sprenger im Werk Höchst

1936

Die Verabschiedung des Vierjahresplanes, mit dem das Nazi-Regime seine Kriegsplanung verstärkt vorantreibt, bringt auch die deutsche Chemische Industrie in eine starke Abhängigkeit von den Machthabern. Der Einfluss der NSDAP setzt sich auf allen Ebenen der Betriebsorganisation ungehindert durch.

Das Standbild

1937

Mit dem Herausdrängen der letzten Juden aus dem Vorstand der I.G. Farbenindustrie AG gerät das Unternehmen endgültig in das Fahrwasser des NS-Regimes. Ein äußeres Zeichen für die neue Ausrichtung des Unternehmens ist in Höchst die Aufstellung der Statue „Die befreite Saar“ von Richard Scheibe in dem neuen Gebäude CH 3 (D 710) der Pharmaverpackung.

Der fähige, dem Nazi-Regime jedoch zugewandte Werksleiter Ludwig Hermann

1938

Im Januar feiert das Werk Höchst sein 75-jähriges Jubiläum unter dem Flaggenschmuck des Nationalsozialismus. Im gleichen Jahr stirbt der fähige, dem Regime jedoch nahestehende Werksleiter Ludwig Hermann. Zu seinem Nachfolger wird der Leiter der Pharmaforschung, Prof. Carl Ludwig Lautenschläger, ernannt.

Das erste industriell genutzte Elektronenmikroskop stand in Höchst

1939

In der von Karl Winnacker geleiteten Verfahrenstechnik wird das erste industriell genutzte Elektronenmikroskop in Deutschland, hergestellt von der Firma Siemens, aufgestellt. Es steht seit 1962 im Deutschen Museum in München. Im gleichen Jahr wird das in Höchst entwickelte Dolantin, ein neuartiges und gut verträgliches Mittel gegen schwerste Schmerzen, am Markt eingeführt.

Der von Bomben zerstörte Hörsaal im Behrens-Bau

1940

Der Zweite Weltkrieg macht sich auch in Höchst durch erste feindliche Bombenabwürfe bemerkbar. In der Nacht vom 29./30. Juni wird der in Holzbinderbauweise errichtete Hörsaal im weltberühmten „Behrensbau“, dem Technischen Verwaltungsgebäude, unwiederbringlich zerstört.

Die Ankunft russischer Zwangsarbeiterinnen im Werk Höchst

1941

Nach dem Beginn des Russlandfeldzuges kommen die ersten Zwangsarbeiter aus dem Osten nach Höchst. Schon im Jahr zuvor waren sogenannte „Westarbeiter“, Italiener, Franzosen, Belgier, Niederländer und Dänen, aber auch Polen, zur Arbeit ins Werk Höchst gekommen. Sie alle, vor allem aber die entrechteten „Ostarbeiter“, waren bis Kriegsende zunehmend dem Arbeitszwang, dem Terror des NS-Regimes und der Ausbeutung ausgesetzt. Insgesamt waren im Werk Höchst während des Krieges ca. 8500 Fremd- und Zwangsarbeiter eingesetzt.

Heinz Öppinger beginnt in Höchst mit den Forschungen am Penicillin

1942

Im Werk Höchst beginnt Heinz Öppinger mit Versuchen zur Herstellung eines neuartigen Antibiotikums, des Penicillins. 1944 gelingt bereits die Herstellung von Ampullen mit 20.000 Einheiten. Das Kriegsende 1945 verhindert zunächst den Bau einer Produktionsanlage.

Deutsche Frauen wurden im Werk Höchst dienstverpflichtet

1943

Mit der Zunahme von Luftangriffen werden Gebäude und Räume an weniger gefährdeten Orten in den ländlichen Gebieten rund um Frankfurt angemietet und erste Betriebseinrichtungen ausgelagert. Ab März werden neben den Fremd- und Zwangsarbeitern auch kriegsdienstverpflichtete Frauen eingestellt. Für deren Kinder wird ein Werkskindergarten eingerichtet.

I.G. Werk Höchst, Russisches Zwangsarbeiterlager an der Mainzer Chaussee

1944

Für die Werksleitung wird die Beschaffung von Arbeitskräften immer schwieriger. Das Werk Höchst ist wehrwirtschaftlich wichtig, gilt jedoch nicht als Rüstungsbetrieb. Deshalb müssen Mitarbeiter an neue I.G.-Werke wie Auschwitz/Monowitz und Gendorf abgegeben werden - Maßnahmen, die durch den verstärkten Einsatz von Zwangsarbeitern nicht auszugleichen sind.

Der Einmarsch amerikanischer Truppen im Werk Höchst

1945

Am 29. März geht mit der Besetzung durch amerikanische Truppen in Höchst der Zweite Weltkrieg zu Ende. Das Werk kommt unter amerikanische Militärverwaltung und firmiert unter wechselnden Namen, ab 1946 als „Farbwerke Hoechst US Administration“. Die Alliierten verfügen die Auflösung der I.G. Farbenindustrie AG.

Das Werk Höchst steht nun unter amerikanischer Vermögensverwaltung

1946

Bei den Amerikanern besteht das Vorhaben, das Werk Höchst in mehrere voneinander unabhängige Einheiten, z.B. eine Farbenfabrik, eine Arzneimittelfabrik oder eine Düngemittelfabrik aufzuspalten – die erste Idee für einen Industriepark, wie er dann erst 1995 bis 1997 entstehen wird. Angesichts der Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Vorhabens werden diese Pläne für eine Aufspaltung im Frühjahr 1947 aufgegeben.

Militärfahrzeuge der amerikanischen Besatzung bestimmen das Straßenbild im Werk Höchst

1947

Zu Jahresbeginn wird das neue Logo, Turm und Brücke des „Behrensbaus“ mit mittig stehendem Turm, eingeführt. Das Werk unter seinem Treuhänder Michael Erlenbach hat die Produktion nahezu vollständig wieder aufgenommen und sieht einer Neugründung entgegen. Diese ist aber noch für mehrere Jahre Gegenstand der Verhandlung zwischen den Westalliierten und deutschen Landesregierungen und Dienststellen.

In der Währungsreform wird die neue D-Mark eingeführt

1948

Mit der Währungsreform und der Einführung der D-Mark beginnt in Deutschland ein fast 20 Jahre währender Aufschwung, der auch die Farbwerke mit einbezieht. Das noch unter amerikanischer Kontrolle stehende Unternehmen erzielt in diesem Jahr einen Umsatz von fast 150 Mio. DM, davon sind fast zehn Prozent Exportanteil.

Werksleiter Carl Ludwig Lautenschläger wurde im I.G. Farben-Prozess 1948 angeklagt, jedoch freigesprochen

1949

Bei der deutschen Industrieausstellung in New York, der ersten großen Exportschau seit dem Zweiten Weltkrieg, sind die „Farbwerke Hoechst US Administration“ mit allen Produktionssparten vertreten. Mit den Kontoren in München, Bamberg, Stuttgart und Hamburg bekommt Hoechst einen Teil seiner Pharma-Verkaufsorganisation von Bayer zurück.

Einweihung des Penicillin-Betriebes durch Hochkommissar John McCloy

1950

Am 4. August wird in Anwesenheit des amerikanischen Hochkommissars John McCloy der mit Mitteln aus dem Marshall-Plan neu erbaute Penicillin-Betrieb im Werk Höchst eingeweiht. Die Lizenz für das Herstellungsverfahren hatte Hoechst in Anerkennung der von Heinz Öppinger in der Kriegszeit geleisteten Vorarbeiten und auf Vermittlung der US-Administration von der amerikanischen Firma Merck erhalten. Der Betrieb ist zu dieser Zeit in der Lage, ganz Deutschland mit dem neuen Antibiotikum zu versorgen.

Die konstituierende Sitzung zur Neugründung der Farbwerke Hoechst AG am 7. Dezember

1951

Auf Veranlassung der Alliierten und der Bundesregierung und nach längeren Verhandlungen werden am 7. Dezember die „Farbwerke Hoechst AG vormals Meister Lucius & Brüning“ gegründet. Die Aktiengesellschaft hat zunächst ein Kapital von 100.000 DM. Im Zuge der Entflechtung der I.G. Farbenindustrie AG werden, ohne dass das neue Unternehmen Rechtsnachfolger der I.G. wird, den Farbwerken neben dem Werk Höchst noch weitere Firmen und Beteiligungen übertragen, so dass zu dieser Zeit wieder ein handlungsfähiges Unternehmen der chemischen Industrie entsteht.

Karl Winnacker, der Vorsitzende der Farbwerke Hoechst AG bis zum Jahr 1969

1952

Zum ersten Vorsitzenden des Vorstandes wird in diesem Jahr Karl Winnacker ernannt, der schon seit 1933 in Höchst als Chemiker auf dem Gebiet der Verfahrenstechnik tätig war. Er sollte in den kommenden zwei Jahrzehnten durch seine Initiativen und seine charismatische Art, das Unternehmen zu führen, den Grundstein für den Erfolg in der Nachkriegszeit legen.

Die amerikanische Präsenz im Werk Höchst endete erst in diesem Jahr

1953

Die Farbwerke Hoechst werden bei Erhöhung des Grundkapitals von 100.000 DM auf 285,7 Mio. DM aus der amerikanischen Kontrolle entlassen. Am Standort selbst wird die Jahrhunderte alte Durchgangsstraße von Frankfurt nach Mainz für den öffentlichen Verkehr geschlossen und die Farbenstraße von Höchst nach Sindlingen entlang der Nordseite des Werkes für den Verkehr freigegeben.

Das neue Verkaufshochhaus C 660

1954

Als äußeres Zeichen für den Aufbau einer eigenen Verkaufsorganisation, über die die Farbwerke bei ihrer Neugründung nur in Ansätzen verfügten, wird an der Stelle der alten Werkssiedlung Mainfeld das große Verkaufshochhaus C 660 mit angeschlossenen Technika errichtet. Es ist bis zu seinem Abriss im Jahr 2003 eines der das Werksbild prägenden Wahrzeichen von Hoechst.

Die neue Kunstfaser Trevira erobert die Modebranche

1955

Nach der Umstellung der Rohstoffbasis von Kohle auf Erdöl, von Acethylen auf Ethylen, beginnt Hoechst mit der Produktion von Kunstfasern und -folien. Den Anfang macht das Diolen, zunächst auf der Grundlage einer Lizenz der englischen ICI. Im folgenden Jahr wird dann aus dem weiter entwickelten Diolen der Markenname „Trevira“, der sich sowohl in der Mode wie auch bei technischen Fasern Weltruf erwirbt.

Die Erdölspaltanlage mit dem Koker, einst ein Wahrzeichnen des Werkes

1956

Als äußeres Zeichen für die Umstellung von Kohle auf Erdöl wird der „Koker“, die erste Erdölspaltanlage errichtet. Auf ihm werden Restgase, die bei der Umwandlung von Erdöl in Vor- und Zwischenprodukte anfallen, abgefackelt. Vor allem nachts ist die Flamme auf dem Koker in jenen Jahren ein weithin sichtbares Wahrzeichen von Hoechst.

Der Großrechner IBM 705, der erste Computer am Standort Höchst

1957

Am 3. September wird die erste Großrechenanlage von Hoechst, der Röhrencomputer „IBM 705“, in Betrieb genommen. Er untersteht dem Büro des Chefingenieurs, dient aber auch der Lohnabrechnung in der Personalverwaltung, die er wesentlich vereinfacht und beschleunigt. Im gleichen Jahr wird für die Belegschaft das Silobad, ein werkseigenes Freibad, eröffnet.

1958 versucht Hoechst mit der Produktion von Schwerem Wasser in der Atomindustrie Fuß zu fassen

1958

Hoechst nimmt zeitweise eine Anlage zur Erzeugung von „Schwerem Wasser“ zur Versorgung der Atomindustrie in Betrieb. Auf dem Arzneimittelsektor wird das über Jahrzehnte erfolgreiche Reverin, ein Antibiotikum gegen schwerste Infektionskrankheiten, in den Markt eingeführt.

1959 überquert die erste private Werksbrücke über eine deutsche Wasserstraße den Main

1959

Mit dem Bau der ersten firmeneigenen Brücke über eine deutsche Wasserstraße wird der „Sprung über den Main“ vollzogen. Auf der Südseite entstehen ein weitläufiges Forschungszentrum, die neue Säurefabrikation und das Zolllager. Die dort erschlossene Fläche hat bis in die Gegenwart genügend Raum für die Ansiedlung neuer Betriebe.

Die neue Pharmaverpackung mit Mosaik und Hoechst Logo am Tor Ost

1960

Am Tor Ost wird die neue Pharmaverpackung D 711 fertig gestellt. Sie löst die alte Pharmaverpackung Ch 3 von 1935 (D 710) größtenteils ab. Das Herz-/Kreislaufpräparat „Segontin" kommt in den Handel. Mit 21.278 Mitarbeitern hat das Werk Höchst fast ebenso viele Beschäftigte wie heute der Industriepark Höchst.

Getränkekästen aus Kunststoffen von Hoechst

1961

Zusammen mit der amerikanischen Celanese-Gruppe werden zur Herstellung des neuen Kunststoffes Hostaform im Dezember die Ticona Polymerwerke GmbH in Kelsterbach gegründet. Das Werk wird wegen der Erweiterung des Frankfurter Flughafens zwischen 2007 und 2011 in den Industriepark Höchst verlegt.

Das Asyl, das werkseigene Entbindungsheim, wird geschlossen. Tausende kamen hier zur Welt.

1962

Im Vorfeld des 100-jährigen Jubiläums werden im Werk und seiner Umgebung große Bauvorhaben verwirklicht. Am 7. Dezember wird das Richtfest der „Jahrhunderthalle Hoechst“ gefeiert. Das „Asyl“, das firmeneigene Entbindungsheim aus dem Jahr 1900, wird geschlossen und an seiner Stelle die neue Werksschule, heute die Ausbildungsstätte der Provadis und Provadis-Hochschule, im Industriepark Höchst errichtet. Am Tor Ost wird der neue Besucherempfang C 820 erbaut.

Ansicht der Farbwerke im Jubiläumsjahr

1963

Im 100sten Jahr ihres Bestehens präsentieren sich die „Farbwerke Hoechst AG vormals Meister Lucius & Brüning“ als eines der erfolgreichsten Unternehmen der chemischen Industrie in Deutschland. Aus Anlass des Jubiläums zeichnet der preisgekrönte Dokumentarfilm „Spektrum der Chemie“ die Entwicklung, die Arbeitsbereiche und die Bedeutung der chemischen Industrie auch am Beispiel von Hoechst nach.

Lasix, ein früher Blockbuster der 60er Jahre

1964

Im Januar wird das neue Salureticum „Lasix“ ausgeboten. Durch seine rasche Resorption und die gute Verträglichkeit zählt es schon nach kurzer Zeit zu den Spitzendiuretika am Arzneimittelmarkt. Die werksärztliche Abteilung am Standort Höchst erhält mit dem „Clinomobil“ eine fahrbare Ärztestation.

Die erste Ausbaustufe der biologischen Kläranlage

1965

Im Werk Höchst wird mit dem Bau einer großen Anlage zur chemischen und biologischen Reinigung an Abwässern aus dem Fabrikbetrieb und der Produktion begonnen. Ein erster Schwerpunkt ist die Düngemittelproduktion. In der ersten Ausbaustufe werden 20 Mio. DM investiert.

Das Ausbildungszentrum im Werk Höchst, heute Provadis

1966

Am 1. April wird der zweite Bauabschnitt des Ausbildungszentrums im Werk Höchst eingeweiht. Er umfasst die 4.000 m2 große Lehrlingswerkstatt und ein Sozialgebäude mit Speisesaal, Bibliothek und Turnhalle. Die Einrichtungen sind heute Teil der Ausbildungsstätte der Provadis und der Provadis-Hochschule.

Verladekran im neuen Hafen auf der Südseite des Maines

1967

Nach 15-monatiger Bauzeit wird im Südteil des Werkes Höchst der neue Südhafen fertig gestellt. Ebenfalls im Südwerk wird die neue Pharmafertigung H 600 eingeweiht, in der aus Gründen der Rationalisierung und des steigenden Bedarfs an Arzneimitteln die Pharmafertigungsbetriebe des Werkes Höchst zusammengelegt werden.

Kein Bargeld, keine Lohntüte mehr. Überweisung des Gehalts auf ein Bankkonto. Bild: Deutsche Bundesbank

1968

In einer Betriebsvereinbarung wird die Einführung der bargeldlosen Lohn- und Gehaltszahlung mit Überweisung auf ein Bankkonto beschlossen. Die alte Art der Lohnauszahlung von Bargeld in Lohntüten gehört nun endgültig der Vergangenheit an.

Rolf Sammet löst Karl Winnacker als Vorsitzenden des Vorstandes ab

1969

Zum 1. Mai führen die Farbwerke Hoechst eine neue Unternehmensorganisation ein. Die alte, noch aus der I.G. Farbenindustrie AG übernommene Gliederung der Geschäftsfelder nach Sparten, wird durch die Einführung von zwölf Geschäftsbereichen abgelöst, in denen Produktion, Verkauf, Forschung, Verfahrenstechnik sowie Planung und Ergebnisrechnung zusammengefasst sind. Karl Winnacker legt sein Amt als Vorsitzender des Vorstandes nieder und tritt in den Aufsichtsrat ein.

Im Osten des Standortes Höchst werden große Flächen mit Anlagen für den Umweltschutz bebaut

1970

In diesem Jahr wendet Hoechst rund 200 Mio. DM für den Umweltschutz auf. Schwerpunkt der Investitionen sind die Modernisierung des Kanalsystems im Werk Höchst durch den Bau eines neuen Schmutzwasserkanals und der Ausbau der biologischen Anlagen zur Abwasserreinigung.

Die Nachbarschaftszeitung Blick auf Hoechst

1971

Im Januar erscheint mit einer Auflage von zunächst 140.00 Stück die Nachbarschaftszeitung „Blick auf Hoechst“, die kostenlos an die Haushalte im Rhein-Main-Gebiet verteilt wird. Die Auflage erreicht bald rund 700.000 Leser. Im Jahr 1994 wird die Zeitung eingestellt.

Die zweite Brücke über den Main mit Bahnanschluss der Südseite wird fertiggestellt

1972

Am 15. Dezember wird die neue Mainbrücke am Westrand des Werkes Höchst dem Verkehr übergeben. Es handelt sich um eine kombinierte Eisenbahn-/Straßenbrücke, welche das Südwerk an das Netz der Bundesbahn anschließt und im Straßenverkehr die ältere Werksbrücke von 1959 entlastet.

Die erste Ölkrise verteuert das Rohöl und den Treibstoff. Foto: rnitten, „Ölkrise ???“ Some rights reserved. Quelle: www.piqs.de

1973

Die „Erste Ölkrise“, ausgelöst durch eine Förderbeschränkung der arabischen Staaten nach dem „Jom-Kippur-Krieg“, macht sich in der Rohstoffversorgung von Hoechst auf dem Erdölmarkt sehr negativ bemerkbar. Bei den rohölabhängigen Produkten, besonders bei Ethylen und Propylen, muss Hoechst Preissteigerungen von bis zu 300 Prozent verkraften.

Statt Farbwerke lautet der Firmenname künftig nur noch Hoechst Aktiengesellschaft

1974

Am 8. Juli ändert das Unternehmen seinen Firmennamen von „Farbwerke Hoechst AG vormals Meister Lucius & Brüning“ in „Hoechst Aktiengesellschaft“. Als Folge der Ölkrise setzt eine Konjunkturkrise auf den Gebieten Textil-, Bau- und Automobilindustrie ein. Dies führt auch bei Hoechst zu einem Absatzrückgang und Kurzarbeit. Entlassungen können vermieden werden.

Die Hochtemperaturpyrolyse zum Cracken von Erdöl wird stillgelegt

1975

Im Werk Höchst wird die 1958 erbaute Hochtemperatur-Pyrolyse zur Erzeugung von Acetylen stillgelegt, da die Produktion von Vinylacetat von Acetylen auf Ethylen umgestellt wird. Die Schwefelsäurefabrik auf der Südseite wird erweitert und von Pyrit auf Schwefel umgestellt, wodurch die Belastung der Atmosphäre mit Schwefeldioxid um 50 Prozent verringert wird.

Durch das Mitbestimmungsgesetz vergrößert sich der Aufsichtsrat

1976

Am 1. Juli tritt das Gesetz über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in Kraft. Dadurch verändern sich die Größe und die Zusammensetzung des Aufsichtsrates. Bei der Hoechst AG setzt sich der Aufsichtsrat nun aus 20 Mitgliedern zusammen, zehn der Anteilseigner und zehn der Arbeitnehmer, die von den Mitarbeitern des Unternehmens gewählt werden.

Die Anfänge der Feuerwache Süd gehen auf das Jahr 1977 zurück

1977

Die Werkfeuerwehr bezieht eine zweite Feuerwache auf der südlichen Mainseite. Im gleichen Jahr wird die zweite Ausbaustufe der biologischen Abwasserreinigungsanlage im Werk Hoechst fertiggestellt. Insgesamt investiert Hoechst in diesem Jahr 125 Mio. DM in den Umweltschutz.

Der Bereich Umweltschutz und Abfallbeseitigung wird stetig ausgebaut

1978

Im Werk Höchst wird eine neue Rückstandsverbrennungsanlage in Betrieb genommen, in der Industrieabfälle, die bisher auf Sondermüll-Deponien abgelagert werden mussten, umweltgerecht entsorgt werden. Durch die Verbrennung entsteht Dampfenergie, wodurch 20.000 Tonnen Heizöl pro Jahr eingespart werden können.

Zweite Ölkrise. Die iranische Revolution wirkt sich auch in Höchst aus

1979

Durch eine Erkrankung behindert zieht sich Karl Winnacker vom Vorsitz des Aufsichtsrates zurück. Er hatte das Unternehmen seit seinem Eintritt in den Vorstand 1951 maßgeblich geprägt. Sein Nachfolger wird bei der nächsten Hauptversammlung 1980 das frühere Vorstandsmitglied Otto Ranft. Die „Zweite Ölkrise“ nach der islamischen Revolution im Iran führt zu einem weiteren Konjunktureinbruch, deren Auswirkungen für Hoechst bis Ende der 80er Jahre spürbar sind.

Claforan, der letzte Blockbuster von Hoechst

1980

Das gemeinsam von Roussel-Uclaf und Hoechst entwickelte Antibiotikum „Claforan“ mit dem Wirkstoff Cefotaxim wird in den Handel gebracht. Es zeichnet sich durch ein breites Wirkungsspektrum aus und wird bei den Arzneimitteln zu einem der großen Blockbuster von Hoechst.

Die dritte Ausbaustufe der biologischen Kläranlage

1981

Die dritte Ausbaustufe der biologischen Kläranlage im Werk Hoechst wird begonnen. Kernstück sind die neu entwickelten Bio-Hoch-Reaktoren, welche die Gesamtleistung wesentlich erhöhen. Sie werden in der Folge auch in anderen Werken der Hoechst AG gebaut.

Die neue Zentralküche, ein modernes Betriebsrestaurant

1982

Am 16. März werden nach einer Bauzeit von 20 Monaten die neue Zentralküche in der Nordfabrik und das angeschlossene Betriebsrestaurant D 510 eröffnet. Die Mitarbeiter können aus dem Speisenangebot ihr Essen nach Wunsch selbst zusammenstellen.

Das Forschungszentrum von Hoechst auf der südlichen Mainseite

1983

Nach drei schwierigen Geschäftsjahren als Folge der „Zweite Ölkrise“ kann Hoechst erstmals wieder ein positives Geschäftsergebnis verzeichnen. Die Investitionsschwerpunkte liegen in diesem Jahr in der Pharmaforschung und der Arzneimittelproduktion. Die Herstellung von Humaninsulin wird erweitert und es werden zusätzliche Laboratorien für die gentechnische Forschung eingerichtet.

Mit dem Ende der Düngemittelproduktion verliert das Silo, ein Wahrzeichen des Standorts, seine Funktion

1984

Im Werk Hoechst wird aus Gründen der Rentabilität die Ammoniak- und Düngemittelproduktion, die nach dem Ersten Weltkrieg aufgebaut worden war, stillgelegt. Die Mitarbeiter auf den 400 betroffenen Arbeitsplätzen können auf andere Stellen umgesetzt werden. Jürgen Dormann wird als stellvertretendes Mitglied in den Vorstand berufen.

Die Ausbildung am Computer wird immer wichtiger

1985

Zum 1. Juli wird die neue Zentralabteilung Informatik und Kommunikation gegründet. In ihr werden die neue Computertechnologie und die Kommunikationstechnik zusammengefasst und der Einsatz der entsprechenden Hard- und Software geprüft, geplant und koordiniert.

Gentechnisch hergestellte Herbizide stoßen in Hessen lange auf Widerstand der Landesregierung. BArch, Bild 183-1984-0702-018 / Waltraud Grubitzsch

1986

Die Produktionsanlagen für das neuartige Herbizid „Basta“ und seine Vorstufen mit einem Investitionsvolumen von 60 Mio. DM sind weitgehend fertiggestellt. Die Anlage wurde mit dem ersten Prozessleitsystem am Standort Höchst ausgerüstet.

Der Kauf der Celanese stärkt auch den Bereich Kunststoffe von Hoechst

1987

Am 20. Februar wird nach der Genehmigung durch die amerikanische Kartellbehörde der Kauf der „Celanese Corporation“ vollzogen, wodurch Hoechst bei Polyesterprodukten für Textilien und technische Anwendungen seine Position auf dem amerikanischen Markt wesentlich verstärkt. Das zu einem Preis von 2,85 Mrd. Dollar erworbene Unternehmen wird mit der „American Hoechst Corporation“ zur „Hoechst Celanese Corporation“ fusioniert.

Im Jubiläumsjahr 1988 legt der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Hilger ein Rekordergebnis vor

1988

Das Jahr des 125-jährigen Jubiläums wird für Hoechst bei einem Umsatz von 41 Mrd. DM und einem Gewinn vor Steuern von mehr als 4 Mrd. DM zum erfolgreichsten Jahr in der Unternehmensgeschichte. Weltweit sind für Hoechst und seine Beteiligungsgesellschaften 164.527 Mitarbeiter tätig.

Das Zentrum der Nordfabrik des Standortes Höchst

1989

Hoechst ergänzt die seit 1969 bestehende Bereichs- und Ressortorganisation durch 120 Business Units, die sich enger am Marktgeschehen orientieren sollen. Die Umsetzung der neuen Unternehmensorganisation geschieht in Konkurrenz zu den Bereichsleitungen nur halbherzig, weshalb die angestrebte Effektivität weitgehend ausbleibt.

Das Computer Aided Molecular Design hat sich längst in der Forschung von Hoechst durchgesetzt

1990

Der Geschäftsbereich Pharma führt weltweit mehrere neue Arzneimittel, darunter Ramipril und Felodipin zur Behandlung des Bluthochdrucks und Rulid sowie Cefodizim zur antibakteriellen Behandlung von Infektionen, in verschiedenen Märkten ein. Die Medikamente erreichen schon im ersten Jahr einen Umsatz von 220 Mio. DM.

Die Pharmafertigung wird von modernster Verfahrenstechnik bestimmt

1991

In diesem Jahr beträgt der Forschungsaufwand von Hoechst 2,9 Mrd. DM. Mehr als 15.000 Mitarbeiter, davon 3.400 Wissenschaftler, arbeiten in 15 Ländern an neuen Produkten und Verfahren. Regionale Schwerpunkte sind Deutschland, Frankreich und die USA. Größte Bedeutung kommt der Pharmaforschung zu, für die allein rund 1,3 Mrd. DM aufgewendet werden.

Ab Oktober setzt die Qualitätskontrolle in der Pharmaforschung den Limulus-Reagenzglas-Test ein

1992

Ab Oktober setzt die Qualitätskontrolle in der Pharmaforschung den Limulus-Reagenzglas-Test ein, um in bestimmten Arzneimitteln Entzündungen erregende Substanzen - sogenannte bakterielle Endotoxine, die von Bakterien abgegeben werden können - auszuschließen.

Der Griesheimer Störfall belastet ganze Stadtteile von Frankfurt a. M.

1993

Hoechst erwirbt für 547 Mio. Dollar den amerikanischen Generika-Hersteller Copley, der wenige Jahre später mit einem Verlust von fast 250 Mio. Dollar abgestoßen werden muss.
Im Werk Höchst werden Konsequenzen aus dem schweren Störfall gezogen, zu dem es am 22. Februar 1993, dem Rosenmontag, im nahe bei Höchst gelegenen Werk Griesheim gekommen ist. Dabei waren Häuser und Kleingärten mit ca. 1.000 Bewohnern auf großer Fläche mit der Chemikalie „ortho-Nitroanisol“ kontaminiert worden. Dieses Ereignis markiert einen Wendepunkt im Umgang mit der Öffentlichkeit, der in den folgenden Jahren etliche Maßnahmen zum vertrauensvolleren Austausch zwischen Industrie und Anwohnern sowie zur verbesserten Information bei Betriebsstörungen nach sich zieht.

Mit dem Amtsantritt von Jürgen Dormann beginnt der Umbruch bei Hoechst

1994

Jürgen Dormann übernimmt den Vorsitz des Vorstandes von Hoechst und leitet mit dem „Aufbruch '94“ eine nachhaltige Restrukturierung und Neuorganisation des Unternehmens durch Zukäufe, Ausgliederungen und neue Partnerschaften mit einer Neuausrichtung auf Life Sciences ein. Das bisherige Stammwerk Hoechst soll in einen Industriepark umgewandelt werden.

Das Werk Höchst wandelt sich zum Industriepark

1995

Hoechst kauft mit dem Ziel einer Verbesserung seiner Position im dortigen Pharmamarkt für 7,1 Mrd. DM das amerikanische Pharmaunternehmen Marion Merrell Dow. Gleichzeitig verkauft Hoechst seine Tochtergesellschaften Uhde an Krupp und CeramTec an Dynamit Nobel. Die Tochtergesellschaft SGL Carbon wird in mehreren Schritten an die Börse gebracht.

Das Chemiegeschäft von Hoechst wird in die schweizerische Clariant eingebracht

1996

Ausgliederung eines wesentlichen Teils des Chemiegeschäfts. Die Spezialchemikalien werden in die schweizerische Clariant eingebracht, an der Hoechst zunächst beteiligt bleibt. Die Pharmaaktivitäten von Hoechst werden, unter Einschluss der französischen Beteiligung Roussel-Uclaf, bis Ende des Jahres im Geschäftsbereich Hoechst Marion Roussel zusammengefasst.

Verhandlungen Hoechst - Rhône-Poulenc. G.Metz, J.-M.Bruel, J.Dormann in Maulbronn

1997

Die Hoechst AG wandelt sich in eine Strategische Management Holding mit operativ selbstständigen Beteiligungsgesellschaften um. Nach der Übernahme der französischen Pharmabeteiligung Roussel-Uclaf zu 100 Prozent wird die Hoechst Marion Roussel (HMR) als eigenständiges Pharmaunternehmen gebildet. Der Standort Höchst wird zum Industriepark, dessen Betreiber „Infraserv GmbH & Co. KG“ das Areal auch für konzernfremde Unternehmen, die ihr eigenes Geschäft betreiben, öffnet.

Der Weg von Hoechst nach dem Zweiten Weltkrieg

1998

Das Pharmageschäft von Hoechst entwickelt sich trotz der seit 1984 angestrebten Zulassung des gentechnischen Insulins negativ und es gibt massive Kritik der Shareholder an der Strategie von Jürgen Dormann. Der geplante Börsengang von Hoechst Marion Roussel wird abgesagt. Der Hintergrund dieser Entscheidung sind die 1997 begonnen Verhandlungen mit dem französischen Chemieunternehmen Rhône-Poulenc mit dem Ziel einer strategischen Partnerschaft.

Die Umstrukturierung eines Weltkonzerns

1999

Fusion der Hoechst AG mit Rhône-Poulenc zur Aventis S.A. mit Sitz in Straßburg, nachdem zuvor ein großer Teil des verbliebenen, in der Celanese AG zusammengefassten Chemiegeschäfts in einem „Spin-off“ an die Börse gebracht wurde.

Zur gleichen Zeit gehört Hoechst mit einer Einlage von 100 Mio. DM zu den Gründungsmitgliedern der „Stiftungsinitiative der Deutschen Wirtschaft“ zur Entschädigung von Zwangsarbeitern aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Aufarbeitung der eigenen Geschichte in der NS-Zeit geschieht in einem Forschungsprojekt, dessen Ergebnisse 2005 in dem Buch „Hoechst - Ein I.G. Farben Werk im Dritten Reich“ von Stephan Lindner vorgelegt werden.

Der Industriepark Höchst der Infraserv GmbH & Co. Höchst KG

2000

Infraserv GmbH & Co. KG, der Betreiber des Industrieparks Höchst, richtet sich in einer neuen, prozess- und kundenorientierten Unternehmensstruktur aus und strebt die Branchenführerschaft als industrieller Standortbetreiber an. Die Gesamtinvestitionen betragen in diesem Jahr mehr als 350 Mio. Euro.

Nicht zu übersehen, die Hauptzufahrt zum Industriepark Höchst

2001

Der Standort Höchst verzeichnet ein überdurchschnittliches Wachstum. Die Gesamtinvestitionen aller Unternehmen im Industriepark Höchst liegen bei 450 Mio. Euro, womit die früheren Investitionen der Hoechst AG in ihrem Stammwerk weit übertroffen werden.

Die hochmoderne und effektive Abwasserreinigung im Industriepark Höchst

2002

Infraserv Höchst investiert 20 Mio. Euro in die Reinigung und Aufbereitung von ca. 40.000 m2 Abwasser im Industriepark Höchst. Die Aventis S.A., heute Sanofi, investiert einen dreistelligen Millionenbetrag in den Bau einer neuen Insulinanlage. Die Gesamtinvestitionen im Industriepark betragen in diesem Jahr mehr 408 Mio. Euro.

Abbruch des Verkaufhochhauses C 660

2003

Das frühere, zwischen 1955 und 1962 erbaute Verkaufshochhaus C 660 der Hoechst AG, ein markantes Bauwerk von 54 m Höhe, wird abgerissen. Die „Provadis School of International Management and Technology AG“, eine Tochter der Provadis-Ausbildungsgesellschaft und Hochschule in privater Trägerschaft, nimmt am 1. Juli ihre Tätigkeit auf.

Der Trimodalport verbindet Straße, Schiene und Wasserwege

2004

Im Bereich des alten Südhafens wird der Trimodalport ausgebaut. Der Umschlagplatz für Container, Stück- und Schüttgut aller Art verknüpft die Verkehrsträger Straße, Schiene und Wasser in effektiver Weise, wodurch der Schwerverkehr erheblich reduziert werden kann. Übernahme der Aventis S.A. durch die Sanofi-Synthélabo. Der Industriepark Höchst ist der weltgrößte Standort des heute als „Sanofi“ firmierenden Unternehmens.

Die Medical City der aus Hoechst hervorgegangenen Sanofi-Aventis, heute Sanofi

2005

Im Industriepark Höchst entsteht ein Biozentrum für Medikamente. Es bildet mit seiner hochmodernen Technologie die Brücke zwischen innovativer Forschung und effizienter Produktion. Es ist damit ein wichtiger Baustein für die Sicherung des Standortes Höchst in der Zukunft.

Die neue Co-Fermentationsanlage ist im Bau

2006

Bau einer Co-Fermentationsanlage zur Erzeugung von Biogas aus Klärschlämmen und organischen Abfällen. Im Rahmen des EU-Projekts „Zero-Regio“ wird im Industriepark Höchst erstmals eine Wasserstoff-Tankstelle eröffnet. In diesem Jahr werden von den Unternehmen im Industriepark mehr als 370 Mio. Euro investiert.

Die Baustelle der Ersatzbrennstoffanlage, eine 300 Mio.-Euro-Investition am Standort Höchst

2007

Im Industriepark Höchst beginnen im April die Planungen zum Bau einer Ersatzbrennstoffanlage mit einem Investitionsvolumen von 300 Mio. Euro. Sie ist in ihrer Kapazität so ausgelegt, dass sie den Industriepark Höchst in seiner Energieversorgung autark machen wird. Insgesamt werden in diesem Jahr von den ansässigen Unternehmen mehr als 400 Mio. Euro im Industriepark investiert.

Rege Bautätigkeit im Industriepark Höchst. Das Logistik-Center entsteht

2008

Für rund 44 Mio. Euro entsteht im Industriepark Höchst ein hochmodernes, computergesteuertes Logistik-Center. Mit 70.000 Palettenlagerplätzen ist es das größte Lager für chemische Produkte in Hessen. Die Gesamtinvestitionen im Industriepark steigen auf mehr als 602 Mio. Euro.

Mit der DyStar endet die lange Tradition der Textilfarbstoffe aus Höchst

2009

Die DyStar mit Sitz im Industriepark Höchst, in der 1995 Hoechst, Bayer und die BASF ihr Textilfarbengeschäft ausgelagert hatten, geht mit 410 Mitarbeitern in die Insolvenz und wird von dem indischen Unternehmen Kiri Dyes & Chemicals übernommen. Damit endet in Höchst die eigenständige Herstellung von synthetischen Farbstoffen, mit der die Farbwerke in Höchst 1863 begonnen hatten.

Industrielanschaft heute. Die von Infraserv errichtete Ersatzbrennstoffanlage

2010

Der Standortbetreiber Infraserv baut eine neue Energieversorgungsanlage, bestehend aus zwei Gasturbinenanlagen mit jeweils 45 Megawatt elektrischer Leistung, mit der der Industriepark Höchst bei ihrer Inbetriebnahme im folgenden Jahr weitgehend energieautark ist. Zusammen mit der Ersatzbrennstoffanlage, der Ansiedlung der Ticona und dem Bau einer Anlage zur Herstellung monoklonaler Antikörper der Sanofi wird in diesem Jahr im Industriepark die Rekordsumme von 644 Mio. Euro investiert.

Die Gasturbinenanlage trägt zur Autarkie des Industrieparks Höchst in der Energieversorgung bei

2011

Ticona, eine Tochtergesellschaft der Celanese, nimmt die neue, in den Industriepark Höchst verlegte Anlage zur Herstellung von Polyoxymethylen (POM), die weltgrößte Produktionsanlage für den schon zu Zeiten der Hoechst AG seit 1963 entwickelten Hochleistungskunststoff „Hostaform“, in Betrieb. Am 6. Mai beschließt die Hauptversammlung der Sanofi in Paris die Umbenennung des Unternehmens in „Sanofi“.

Der Grundstein zum Clariant Innovation Center ist gelegt

2012

Clariant legt im Februar im Industriepark Höchst den Grundstein für das

„Innovationszentrum“, den zentralen Standort des Unternehmens für die weltweite Forschung und Entwicklung.

Industriepark Höchst - 150 Jahre Menschen. Standort. Werte.

2013

Der Chemie-Standort Höchst, heute der von der Infraserv GmbH & Co. Höchst KG betriebene Industriepark Höchst mit mehr als 90 Unternehmen, feiert am 31. Januar sein 150-jähriges Bestehen. Die neue Unternehmensform des Industrieparks und der in dieser Chronik aufgezeigte stete Wandel am Standort zeigen, dass die Chemische Industrie in Höchst immer von großer Innovationskraft geprägt war, die auch Krisen und Rückschläge durch eigene wissenschaftliche und technologische Neu- und Weiterentwicklungen zu überwinden vermochte.

Peter-Behrens-Bau

2014

15.000 Besucher beim Tag der offenen Tür im Industriepark Höchst: Standortunternehmen informieren über ihre Leistungen, öffnen verschiedene Betriebe für die Besucher und zeigen, was der Forschungs- und Produktionsstandort alles zu bieten hat.

Das Weed Resistance Competence Center (WRCC) von Bayer CropScience wird als weltweites Wissenschaftszentrum zum Thema Unkrautresistenzen im Industriepark Höchst eröffnet.

90 Jahre Peter-Behrens-Bau: Das als „Juwel der Industriearchitektur“ bekannte Gebäude war am 6. Juni 1924 eingeweiht worden.

 
Text

Gehen Sie auf Entdeckungsreise durch eineinhalb Jahrhunderte Industriegeschichte: Die Dauerausstellung "Zeitstreifen" führt Sie von der Chemischen Fabrik Meister Lucius & Co. bis zum modernen Industriepark. Mehr erfahren

150 Jahre „Menschen. Standort. Werte.“: Unter diesem Motto stand das Jubiläumsjahr des Industriestandortes Höchst. Seit der Gründung der „Theerfarbenfabrik Meister Lucius & Co.“ im Jahr 1863 ist der Standort Höchst ein dynamischer Impulsgeber für die Rhein-Main-Region. Mehr erfahren

Die Broschüre „Industriestandort Höchst“ wirft einen Blick auf die Geschichte des Standortes und begleitet die Menschen, die an dieser Erfolgsgeschichte mitgeschrieben haben. Hier online durchblättern oder die Druckausgabe kostenlos per E-Mail bestellen, solange der Vorrat reicht.

  • RSS